Ich lese gerade - Tusch, Trommelwirbel - einen Ratgeber. Eigentlich kann ich Ratgeberbücher nicht leiden, weil sie (nach meinem Empfinden) meistens am Problem vorbeireden oder gar ein Problem schaffen, wo eigentlich gar keins sein muss, und der Nutzen am Ende bestenfalls ratloses Schulterzucken und schlimmstenfalls ein miserables Gewissen ist, weil man schließlich gerade so einen klugen Ratgeber gelesen hat und trotzdem kein besserer, klügerer, schlankerer, sozialverträglicherer oder glücklicherer Mensch geworden ist.
Dass ich diesen Ratgeber überhaupt lese, ist
Wie in "guten" Ratgebern üblich, befindet sich am Kapitelende eine Sammlung total einfacher und immens hilfreicher Übungen, mit denen man sich den Inhalt des Kapitels veranschaulichen kann, so dass man in Zukunft ganz ganz ganz bestimmt nie wieder die alten Fehler macht. Bei mir hat es schon gereicht, die Übungen nur zu lesen, um mich ausgesprochen amüsiert und unheimlich erleichtert zu fühlen (Verhaltensweisen ändern muss ich nicht mal, denn diese habe ich bereits verinnerlicht! \o/). Deswegen dachte ich mir... tu was Gutes! Teile sie mit deiner Umwelt!
Hier also fünf einfache Übungen zur Entwicklung der richtigen Geisteshaltung gegenüber wichtiger Aufgaben und zum einzig vernünftigen Umgang mit Prokrastination, nach Passig, Kathrin und Sascha Lobo, 2008. Dinge geregelt kriegen - ohne einen Funken Selbstdisziplin. Berlin: Rowohlt.
5 einfache Übungen
1. Zeitungen Seite für Seite ins Altpapier geben, um so zu erlernen, wie man eine größere Aufgabe in übersichtlichere Einheiten zerlegt.*
2. Auch mal ein Getränk zwei Jahre vor Ablaufdatum austrinken. Schon hat man eine Aufgabe lange vor der Deadline erledigt.
3. Einige Kabel wohlgeordnet in eine Tasche legen. Eine Stunde abwarten, die Tasche wieder öffnen. Den entstandenen Kabelsalat betrachten und dabei über die Sinnlosigkeit menschlichen Ordnungsstrebens meditieren.
4. Auf Bahngleisen sitzen oder liegen. Rechtzeitig aufstehen, bevor der Zug kommt. Diese Übung vermittelt ein Gefühl für das Tempo, in dem die Deadline herannaht, auch wenn vorher lange Zeit gar nichts passiert ist.
5. Den perfekten Mord planen, dann kurz vor Ausführung darauf verzichten. Darüber nachdenken, dass Untätigkeit leben retten kann.
:D
Was mich nämlich an Ratgebern AUCH gern nervt (wenn ich denn mal studienbedingt sowas lesen musste oder in Zeitschriften drüber stolpere), sind diese wahnsinnig nützlichen Alltagsübungen, mit denen man vorgeblich das Besserer(klügerer, schlankerer, etc.)-Mensch-Sein inkorporiert und sich de fakto eigentlich nur lächerlich macht...
\o/!
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*Anmerkung der Bloggerin: Lustigerweise tue ich ausgerechnet das tatsächlich - allerdings deshalb, weil ich alte Zeitungen nicht zur Füllung der Altpapiertonne, sondern zum Anzünden des Kachelofens benutze, wobei einzelne Seiten ideal, ganze Zeitungspakete dagegen ungeeignet sind...