... dabei haben sich doch wieder drei nette Anekdötchen angesammelt!
Alle aus dem Stern. Und weil wir die Hefte mittlerweile der Schwiegermutter weitergegeben haben, kann ich den fraglichen Unsinn nicht mal mehr wörtlich zitieren. Aber paraphrasieren, das kann ich! Harrrrr!
Im Stern gibt es also so eine Art "Aus aller Welt"-Kategorie. Das ist eine Doppelseite mit einer Weltkarte drauf, und da gibt es dann immer diverse Kurzkommentare zu Themen aus unterschiedlichen Ländern, mit einer Art Pfeil, wo auf dieser Weltkarte der entsprechende Ort denn zu finden ist.
Und da wiederum lassen sich immer mal wieder herrliche Beispiele für "Nachdenken? Was is das?" finden.
Vor mehreren Wochen wurden z.B. japanische Tierschutz-Aktivisten erwähnt, die sich in riesige Lebensgefahr bringen. Durch radioaktive Verstrahlung nämlich. Was tun sie? Sie dringen nachts heimlich in die Sperrzone um Fukushima ein, um dort verlassene Haustiere, vor allem Hunde und Katzen (klar, Käfigtiere sind natürlich mittlerweile längst verhungert :P), einzusammeln und in Sicherheit zu bringen, also erstmal halt irgendwohin, wo sie wieder regelmäßig Futter kriegen.
Das ist an sich ja sehr löblich und darüber rege ich mich auch gar nicht auf.
Nein, was mich annervt, ist der folgende Mangel an Hirneinsatz:
Der Artikel begann also mit den Worten "Sie kommen bei Nacht, und sie riskieren, verstrahlt zu werden..." (so ungefähr jedenfalls, ich hab ihn ja nicht mehr vorliegen). Er endet mit der Feststellung, dass "sie" - die Tierschutz-Aktivisten nämlich - schon eine große Zahl an Tieren (ich glaube, sie war vierstellig, bin mir aber nicht mehr sicher) gerettet haben, von denen bei keinem erhöhte Strahlenwerte festgestellt werden konnten.
Und darüber denken wir jetzt mal im Zusammenhang mit dem ersten Satz nach, bitte.
Diese Hunde und Katzen streunen seit Wochen durch die Sperrzone. Sie sind nicht verhungert, haben sich also vermutlich unterwegs von irgendetwas ernährt, das vermutlich eher nicht aus frisch geöffneten Dosen kam. Wir wissen außerdem hoffentlich alle, wie sich Hunde und Katzen säubern, wenn sie nass und/oder schmutzig sind, nämlich mit den Werkzeugen, die sie am Körper haben, insbesondere auch dem großen Muskelwaschlappen im Maul.
Aber die MENSCHEN, die überhaupt nur kurz in die Region reingehen, vermutlich noch Schutzanzüge, mindestens aber überhaupt Kleidung tragen, hoffentlich nichts in den Mund stecken, was unterwegs lecker aussieht, und idealerweise hinterher auch noch duschen und was Frisches anziehen, DIE sind natürlich akut in Lebensgefahr.
Dass die armen Tiere mit Sicherheit garstiges Zeug inkorporiert haben, dass nun schäbige Dinge mit ihrem Innenleben anstellt, will ich gar nicht in Abrede stellen. Aber das wurde in dem Kommentar ja gar nicht erwähnt (vermutlich ist es dem Journalisten einfach gar nicht klar, ich hab da mittlerweile keine Illusionen mehr...). Aber da sich zumindest außen nichts messen lässt - und so ein Hund kann ja nicht mal eben das Fell wechseln - kann man wohl davon ausgehen, dass die menschlichen Tierschützer bei einigermaßen vernünftigem Verhalten auch nicht gerade "riskieren, verstrahlt zu werden".
Aber klar, NUR Tiere retten ist wahrscheinlich nicht spektakulär genug.
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Weniger lange her ist der Kommentar zu Prinz William mit einem Baby - nicht dem eigenen - auf einer Neugeborenenstation. Besagtes Baby, verkündet der Kommentar, habe großes Glück, nicht nur, weil Prinz William es auf dem Arm hält, sondern vor allem, weil es auf einer Säuglingsstation in London ist.
Weil nämlich ein in Mädchen in Chelsey eine durchschnittliche Lebenserwartung von - ich hab die Zahlen nicht genau im Kopf, nur das Verhältnis dazwischen - sagen wir mal 83 Jahren hat, während ein Junge in Glasgow nur mit 74 Jahren rechnen darf.
Das ist fein. Bzw. schade, wenn man der Junge aus Glasgow ist und an Statistik glaubt.
Aber was ist denn mit einem Mädchen in Glasgow bzw. einem Jungen in Chelsey? Da im Allgemeinen auch zwischen den Geschlechtern ein gewisser Unterschied bei der Lebenserwartung besteht, wär es vermutlich hilfreicher, entweder zwei Mädchen oder zwei Jungs miteinander zu vergleichen... nur so'n Gedanke.
Aber vermutlich ist es dann auch wieder nicht spektakulär genug. Wenn nur noch läppsche drei Jahre zwischen Hauptstadtkind und Nordlicht liegen, dann ist das ja gar nicht so dramatisch...
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Und nochmal nach Japan, und zu dem Punkt, über den ich mich so RICHTIG aufrege.
Da wurde lapidar festgestellt, dass nach der Katastrophe im Frühjahr von großzügigen Bundesbürgern ziemlich viel Geld gespendet wurde, das aber gar nicht bei den Bedürftigen angekommen sei, die nämlich immer noch auf Kohle für einen neuen Kühlschrank, ein neues Auto oder eine Dachreparatur warten. Jaja, all diese Millionen, unterwegs versandet! Pfui!
ARRRRRRGH.
Liebe Vollidioten, die aus unerfindlichen Gründen dazu berechtigt sind, Texte zu veröffentlichen und die Meinung unserer Mitbürger zu beeinflussen: Wenn man Geld an Hilfsorganisationen spendet, dann wird das im Allgemeinen für Notfallmaßnahmen eingesetzt, also zum Beispiel Medikamente, Lebensmittel, Wasserversorgung und dergleichen.
Was hingegen NICHT so sehr in den Verantwortungsbereich des Roten Religiösen Symbols Ihrer Wahl fällt, ist das Auszahlen von Entschädigungssummen an Einzelpersonen/-haushalte. Für deren Kühlschränke, Autos oder Dächer sind vielmehr Versicherungen zuständig, zumindest in einem Land wie Japan, in dem es ein funktionierendes Versicherungswesen mit den dazugehörigen Vorschriften gibt (in Haiti sieht das natürlich anders aus...). Nun weiß ich nicht, wie schnell/kulant/zuverlässig japanische Versicherungen im Vergleich zu deutschen Versicherungen sind. Wahrscheinlich ähnlich, also nicht so, wie man's gern hätte. Außerdem ist da ja noch das Problem der zerstörten Infrastruktur und der verloren gegangenen Papiere und der wahnsinnig vielen Schäden. Ist also bestimmt möglich, dass die betreffenden Versicherungen momentan noch nichts rausgerückt haben und die unglückseligen Bedürftigen in der Tat noch auf ihre Kohle warten.
Nur: DAS HAT MIT DEN SPENDENGELDERN NÜSCHT ZU TUN! DAFÜR SIND DIE GAR NICHT DA!
Möglicherweise sind die gespendeten Gelder nicht ausschließlich in Hilfsmaßnahmen geflossen, sondern auch in die Bürokratie. Womöglich sogar in die Taschen korrupter Politiker oder Funktionäre. Weiß ich nicht, dazu stand auch wieder mal nix in dem Kommentar, und ich wollte mir auch nicht den Abend verderben, indem ich jetzt anfange, das zu recherchieren.
Aber jedenfalls ist es eine Sauerei, es kurz und knapp so darzustellen, als wäre das gesamte gespendete Geld mal wieder irgendwo versackt, was es ja sein muss, "weil die Menschen immer noch auf ihr Geld warten".
Und ich darf mir demnächst wieder von Leuten wie meiner Oma anhören, dass sie jetzt überhaupt nichts mehr spenden, weil das ja "sowieso nie" bei den Bedürftigen ankommt, hat man ja mal wieder gesehen...
Toll gemacht!
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Immer mal wieder meditieren irgendwelche Journalisten in einem Anfall von Selbsterkenntnis darüber, welche Verantwortung sie haben und ob man denn die Macht des veröffentlichten Worts überhaupt so zu Panik- und Meinungsmache (miss-)brauchen darf und ob und/oder wie man das vermeiden könnte. Aber irgendwie scheint so eine selbstkritische Phase nie lange zu dauern. Ist wahrscheinlich ein bisschen wie mit der Beichte: Ich sündige, ich beichte, ich bekomme Absolution - und dann fang ich einfach wieder von vorne an...
*grummelgrummelknurr*
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Dieser Eintrag wurde Ihnen präsentiert von: Wollte ich eigentlich schon vor Wochen drüber gekotzt haben, aber irgendwie fehlte mir immer die Motivation. Keine Ahnung, wieso es mich plötzlich doch noch überkam. Vielleicht liegt es an der Hitze. Oder den Symphysenschmerzen. Wie auch immer, jetzt isses raus. Wenn es jetzt auch draußen noch gewittert, geht's mir wieder besser ;)
no subject
Date: 2011-06-28 08:14 pm (UTC)no subject
Date: 2011-06-28 09:27 pm (UTC)*hides*
Ich hoffe, ansonsten geht's einigermaßen gut ...?
no subject
Date: 2011-06-28 09:48 pm (UTC)no subject
Date: 2011-06-28 09:54 pm (UTC)Es war heiß genug in Bayern, aber bei Euch war es anscheinend heute noch schlimmer, verlautet es aus mehreren Quellen. Ich halte die Daumen für ein erfolgreiches Gewitter...
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Date: 2011-06-30 07:16 pm (UTC)Und dem kleinen fiesen Grummelgesicht auf dem Hochzeitsfoto konnte ich sowieso nicht widerstehen. XD
no subject
Date: 2011-06-30 07:18 pm (UTC)no subject
Date: 2011-06-30 07:25 pm (UTC)Ich kenn sie übrigens auch erst, seit ich sie selber habe. >_>
Bei uns im Bergischen waren es sogar "nur" 35°C - das Schlimmste war die Luftfeuchtigkeit. Leider hat das Gewitter (das nachts tatsächlich kam) auch erst mal gar nichts gebracht, aber im Lauf des gestrigen Nachmittags wurde es dann grau und nieselig und das hat dann endlich Abkühlung gebracht. Heute war es dann sehr angenehm, temperaturtechnisch. :)