Aug. 9th, 2011

oloriel: (hp - yeah whatever.)


Felix hat heute, im reifen Alter von 15 Tagen, per Post seine persönliche, lebenslange Steueridentifikationsnummer bekommen.

...

Heute ist ein ganz mieser Tag. Vor zwei Wochen habe ich versucht, ein viel zu großes Bündel Mensch durch einen viel zu engen Gang zu quetschen und ich bin immer noch wund davon. Das mit dem aufrechten Gang war eine beschissene Idee und die Evolution ist offensichtlich frauenfeindlich. Es ist mir ein Rätsel, wieso die Menschheit noch nicht ausgestorben ist.

Vom vielen Sitzen tut mir der Hintern weh, aber wenn ich zu viel laufe oder stehe, wird der Druck auf den Beckenboden allzu unangenehm und die Lochien wieder rot. Auch wenn es "WochenBETT" heißt: Ich kann doch nicht 40 Tage NUR liegen!

Wider aller Vernunft habe ich die ganze Zeit Angst, dass die Dammnähte reißen und sich mein gesamter Bauchhöhleninhalt über meine Füße ergießt.

Meine Brustwarzen sind wund und tun bei jeder Berührung weh. Trotzdem muss ich alle zwei bis drei Stunden ein ungeduldig schreiendes und schnappendes Baby dazu ermuntern, sie in den Mund zu nehmen und feste! feste! zu saugen. Und zwar sanft und geduldig, damit es überhaupt klappt. Auch, wenn ich gerade mitten aus einer Tiefschlafphase gerissen wurde und der Vater neben mir lautstark schnarcht.
"Wenn man es richtig macht", heißt es, "kann Stillen eine tolle Erfahrung für Mutter und Kind sein."
Ich mach's dann wohl falsch. Ich habe im Augenblick sowieso das Gefühl, alles falsch zu machen.

Ich habe seit über zwei Wochen nicht mehr normal geschlafen. Ich kann für Felix nahezu grenzenlos Geduld, Rücksicht und Fürsorge aufbringen, aber für niemanden sonst. Ich will meine Erschöpfung, meine Zweifel und meine Entnervtheit gegenüber allen anderen nicht mehr überspielen. Ich will mal NICHT dankbar sein. Ich will kein Verständnis aufbringen, ich will nichts klären müssen, und ich will keine Rücksicht nehmen. Wenigstens diese 40 Tage will ich mal ganz egoistisch, dass auf MICH Rücksicht genommen wird, und zwar egal, was sonst so anliegt.

Ich liebe den Kleinen. Ich liebe seinen Vater, und meistens kann ich sogar mich selbst ganz gut leiden, obwohl ich mich im Moment als ziemliche Versagerin fühle. Und natürlich wusste ich vorher, dass alles anders und sicher nicht ganz einfach wird. Und hab's so gewollt. Und irgendwann spielt sich alles ein und wird ganz wunderbar.
Aber heute ist ein mieser Tag. Und das muss auch mal gesagt werden.

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