Und aus reiner Neugierde...
Feb. 20th, 2010 02:11 pmZum Thema: Schreiben! (Wahrscheinlich kommt später noch was Längeres, aber das dann Englisch und mit viel Zitiererei, jetzt geht's aber erst mal um eine Frage, die ich habe.)
(Naja, eigentlich mehrere Fragen.)
Einleitung:
Als "ihr" Schreiben gelernt habt - also nicht im Sinne von "So sieht ein i aus und so sieht ein o aus und jetzt schreibt ihr drei Reihen davon in euer Schreiblernheft", sondern im Sinne von "Mein schönstes Ferienerlebnis" - was wurde euch da zum Thema direkte Rede beigebracht? Um genauer zu sein, wie solltet ihr direkte Rede außerhalb der Rede kennzeichnen?
"Mir" - ich nehme an, den anderen meiner Generation zumindest in NRW genauso, ich wüsste gern, ob das deutschlandweit genauso aussah - wurde damals(TM) beigebracht, das Verb, das die direkte Rede einleitet (oder abschließt), möglich viel zu variieren. Dazu mussten wir sogar Übungen machen ("Schreibe fünf Sätze in wörtlicher Rede mit jeweils anderen Sprechverben", "Formuliere die folgenden Sätze um" und so weiter).
Also nicht:
Fine sagte: "Lass uns heute Nachmittag ins Kino gehen!"
"Au ja! Ich möchte gerne einen Abenteuerfilm sehen." sagte Toni.
"Mich würde aber ein Märchenfilm mehr interessieren." sagte Fine.
Toni sagte: "Nein, das ist langweilig!"
"Wir könnten auch ins Freibad gehen," sagte Ali. "Das Wetter ist so schön."
Sondern eher so etwas wie:
Fine schlug vor: "Lass uns heute Nachmittag ins Kino gehen!"
"Au ja! Ich möchte gerne einen Abenteuerfilm sehen." stimmte Toni zu.
"Mich würde aber ein Märchenfilm mehr interessieren." protestierte Fine.
Toni rief: "Nein, das ist langweilig!"
"Wir könnten auch ins Freibad gehen," sprach Ali. "Das Wetter ist so schön."
Bei letzterem sträuben sich mir heute die Nackenhaare (nicht nur wegen des "Jungs mögen Abenteuer, Mädchen mögen Märchen"-Klischees), aber das wurde uns in der zweiten, dritten und vierten Klasse wiederholt so antrainiert.
Wenn ich heute kreativ schreibe, tu ich das meistens auf Englisch (Bonus: Wusstet ihr, dass Ælfric of Eynsham seinerzeit "on Englisce gewrîtan", also "auf Englisch geschrieben" hat? Ich fand das sehr niedlich.). So ziemlich alle Tips für Schreiber, die in der englischen Literaturwelt herumschwirren, und davon gibt es viele, sagen klipp und klar: Variiere das Sprechverb nicht. Nimm "say" und sonst gar nichts.
Diese Regel halte ich persönlich für ebenso unsinnig wie die Hardcore-Variationsregel, die man uns in der Grundschule nahegelegt hat - wenn jemand fragt, dann soll er gefälligst fragen und nicht "sagen mit Fragezeichen"; wenn jemand ruft, schreit, stöhnt, zischt oder flüstert, dann darf man das auch schreiben. Muss. Denn in der Aussage selber lässt sich nicht erkennen, wie die Worte ausgesprochen werden (es sei denn, man nervt die Leser mit phonetischen Umschreibungen, was noch viel furchtbarer ist als variierte Sprechverben) und man darf ja auch nicht "sagte laut, sagte leise, sagte dringlich" schreiben, denn Adverbien sind ja sowieso und überhaupt des Teufels.
Aber vermutlich ist die Regel auch nur unpräzise formuliert und gilt eigentlich nur für Sprechakte, die eben tatsächlich einfach nur "gesagt" werden und nicht gefragt, gerufen oder geflüstert.
Egal! Was ich jedenfalls fragen wollte:
1. Habt ihr damals in der Schule auch gelernt, möglichst in einem Text (oder allermindestens in einem Absatz/ einer Konversation) möglichst viele unterschiedliche Verben für "sagen" zu benutzen und möglichst ein Verb allerhöchstens zweimal und dann mit großem Abstand zu verwenden?
2. Wie haltet ihr das heute (wenn ihr denn heute immer noch ab und an kreativ schreibt)?
3. Weiß jemand, wie das heute im Lehrplan aussieht? Müssen Grundschüler immer noch variieren wie blöde und sogar das unsägliche "sprach" (das fand ich schon damals furchtbar und habe es immer nur für die quasi ranghöchste Person verwendet, zu der das Förmliche, Würdevolle, das ich mit "sprach" verbunden habe, noch am ehesten passt, von wegen Die Mutter sprach: "..."; "...," sprach der Lehrer, Der König sprach: "...") zwingend einbauen? Oder ist man auch da mittlerweile bei einer "natürlicheren" Form angelangt (sofern denn niedergeschriebene wörtliche Rede überhaupt natürlich sein kann, aber das ist wieder ein anderes Thema)? Ich weiß, dass die Lehramtler auf meiner Flist alle Sek II machen, aber vielleicht wird das ja sogar da nochmal thematisiert.
Ok, doch länger geworden als geplant. Vielleicht kann ja trotzdem jemand was dazu sagen. Schreiben. Ihr wisst, was ich meine.
no subject
Date: 2010-02-20 09:37 pm (UTC)